Wie Kubaner den Alltag bestreiten

Aktualisiert: 19. Apr 2022

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Hintergrund

Wie Kubaner den Alltag bestreiten

Supermarkt Kuba Versorgungslage

Aktualisiert: 19. Apr 2022

Für viele Kubaner sind die Lebenshaltungskosten sehr hoch. Die regulären staatlichen Löhne betragen aktuell etwa 30 bis 100 US-Dollar pro Monat und reichen kaum, um über die Runden zu kommen. Diese Einkommen ermöglichen nur ein äußerst geringes Konsumniveau. Es gibt zwar recht viele wohlhabende Kubaner, die über lukrative Nebenbeschäftigungen oder Familienangehörige im Ausland verfügen. Nicht wenige Menschen arbeiten dennoch fast ausschließlich für die Versorgung mit Lebensmitteln und unverzichtbaren Konsumgüter.

Ein großer Anteil der Bevölkerung muss daher jeden US-Dollar bedacht verwenden. Auch wenn Kubaner typischerweise im Eigentum wohnen und umfangreiche staatliche Leistungen (wie Strom & Wasser) zwar die nötigsten Bedürfnisse sichern, reichen die hoch subventionierten Lebensmittelrationen meistens nicht über den Monat. Zudem ermöglicht die Versorgung über diese Lebensmittelkarten auch keine ausgewogene Ernährung. Subventioniert werden im wesentlichen Grundnahrungsmittel wie Eier, Reis, Bohnen, Zucker, Kaffee und Salz. Kinder bekommen Milchpulver und Senioren oder erkrankte Menschen Rindfleisch und Fisch.

Ein weiteres großes Problem ist der Transport. Viele Menschen leiden unter dem Mangel an Fahrzeugen und der generellen Ineffizienz. Zum einen verlieren sie jeden Tag eine Menge Zeit, zum anderen gehen die langen Fahrten häufig auch ins Geld. Nicht allzu selten kostet der Transport die Hälfte vom regulären staatlichen Lohn.

Entgegen dieser komplizierten ökonomischen Situation sind viele Menschen jedoch auch recht glücklich. Es wird viel in Beziehungen gelebt, natürlich vor allem auch in den Familien. Der Staat garantiert Ordnung, Recht und Sicherheit und sorgt für freie Kultur, Bildung und Gesundheit. Auch wenn das Niveau nicht mit reichen Industriestaaten vergleichbar ist, sind die Errungenschaften doch beachtlich. Allem voran ist hier an die geringe Kindersterblichkeit, die hohe Alphabetisierungsrate und die hohe Lebenserwartung zu denken.

Viele Kubaner bemängeln die ökonomische Situation, sagen jedoch, dass sie ihr Land lieben. Für sich steht auch, dass nicht wenige Menschen nach Jahren im Ausland, irgendwann wieder nach Kuba zurückkehren.

 

 

Wer weder eine lukrative Beschäftigung noch finanzielle Unterstützung aus dem Ausland hat, kauft in Supermärkten häufig nur die unvermeidlichen Produkte wie etwa Speiseöl. Ein importiertes Glas Oliven für zwei US-Dollar ist für nicht wenige Menschen bereits ein kleiner Luxus.

Kubaner essen am liebsten Fleisch (Metzger in Havanna 2018)

Wie Lebensmittel kosten auch Haushaltsgeräte, etwa Ventilatoren, Mixer oder Kühlschränke, in etwa das Dreifache der europäischen Preise. Ein einfacher Kühlschrank oder eine Waschmaschine kosten somit schnell ein ganzes staatliches Jahresgehalt. Während die meisten Menschen Kühlschränke besitzen, waschen nicht wenige Familien aufgrund der exorbitanten Preise ihre Wäsche mit der Hand.

Die Kombination aus hohen Preisen und minimalen Löhnen ist auch der Grund, warum alles, solange es irgendwie möglich ist, repariert wird – von der Unterwäsche bis zum Kühlschrank. Etwas paradox erscheint, dass viele Menschen die staatliche Propaganda-Zeitung als Toilettenpapier benutzen. Nachhaltig ist es definitiv. Nicht selten kommt es vor, dass gar einfachste Plastiktüten ausgewaschen und wiederverwendet werden. Wer Land und Menschen unterstützen möchte, kann auf einfache Weise helfen.

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