Wie Kubaner den Alltag bestreiten

Aktualisiert: 1. Feb 2021

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Hintergrund

Wie Kubaner den Alltag bestreiten

Supermarkt Kuba Versorgungslage

Aktualisiert: 1. Feb 2021

Im kommunistischen Kuba betreibt der Staat nicht nur die Geschäfte, sondern organisiert auch den Import sowie die Distribution der Waren.

Seit einiger Zeit gibt es eine Kooperation mit einer spanischen Supermarktkette. Im Zuge dieser wurden zwar viele Märkte saniert, beim Warenangebot hat sich jedoch wenig verbessert. In den aufgehübschten Märkten herrscht weiterhin vielfach nichts als gähnende Leere. Die wenigen Waren, die es gibt, werden ausnahmslos importiert, häufig aus Europa.

Einer der vielen kleinen staatlichen Kioske

In Verlauf des Jahre 2019 und 2020 hat sich die Versorgungslage indes erneut verschlechtert. Die Lücken in den neu beschafften Regalen und Tiefkühltruhen werden kontinuierlich größer. Es muss auch damit gerechnet werden, dass das eine oder andere Produkt zeitweise auch mal gänzlich fehlt. Wobei auch Basislebensmittel und -produkte nicht von den Engpässen ausgeschlossen bleiben: Mal ist das Mehl über Wochen knapp, dann mangelt es an Speiseöl oder Toilettenpapier...

Dafür finden sich dann in den Regalen der Geschäfte Ananas in Dosen oder eingelegte Zwiebeln in Gläsern. Selbstverständlich importiert und zu Preisen, die für die meisten Kubaner kaum erschwinglich sind. Diese Waren bleiben dann häufig in den Regalen stehen und verstauben.

Obst- und Gemüse wird nicht in Supermärkten, sondern auf freien Bauernmärkten angeboten. Auf Märkten wird auch das in Kuba beliebte Schweinefleisch verkauft. Gänzlich frei sind diese Märkte jedoch nicht. Gerne reguliert der Staat mit Preisvorgaben durch Höchstpreise.

Kubaner essen am liebsten Fleisch (Metzger in Havanna 2018)

Der Vertrieb anderer Fleischsorten (Rind, Geflügel und Fisch) bleibt ausnahmslos dem Staat vorbehalten, sodass grundsätzlich ein Mangel herrscht.

Wie Endverbraucher beziehen auch private Restaurants den Großteil der Zutaten zum Einheitspreis aus regulären Supermärkten und somit letztlich vom Staat. Die meisten Lokale verfügen über Einkäufer, die ständig bemüht sind, alle Zutaten aufzutreiben. Wenn sich wichtige Waren finden lassen, wird so viel wie möglich auf Vorrat gekauft. Sind die Vorräte aufgebraucht, dann sind die auf der Karte angebotenen Gerichte auch nicht verfügbar.

Wie Kubaner den Alltag bestreiten

Für viele Kubaner sind die Lebenshaltungskosten sehr hoch. Die regulären staatlichen Löhne betragen aktuell etwa 30 bis 100 US-Dollar pro Monat. Diese Einkommen ermöglichen nur ein äußerst geringes Konsumniveau. Es gibt zwar recht viele wohlhabende Kubaner, die über lukrative Nebenbeschäftigungen oder Familienangehörige im Ausland verfügen. Nicht wenige Menschen arbeiten dennoch fast ausschließlich für die Versorgung mit Lebensmitteln und basalen Konsumgüter. Dieser Teil der Bevölkerung muss jeden US-Dollar bedacht verwenden.

Auch wenn Kubaner typischerweise im Eigentum wohnen und subventionierte staatliche Leistungen (wie Strom & Wasser) zwar die nötigsten Bedürfnisse sichern, reichen die staatlichen Lebensmittelrationen meistens nicht über den Monat. Zudem ermöglicht die Versorgung über Lebensmittelkarten auch keine ausgewogene Ernährung. Bedürftige erhalten über die Lebensmittelkarten im wesentlichen Grundnahrungsmittel wie Eiern, Reis, Bohnen, Zucker, Kaffee und Salz. Kinder bekommen Milchpulver und Senioren oder erkrankte Menschen Rindfleisch und Fisch.

Wer weder eine lukrative Beschäftigung noch finanzielle Unterstützung aus dem Ausland hat, kauft in Supermärkten häufig nur die unvermeidlichen Produkte wie etwa Speiseöl. Ein importiertes Glas Oliven für zwei US-Dollar ist für nicht wenige Menschen bereits ein kleiner Luxus.

Wie Lebensmittel kosten auch Haushaltsgeräte - etwa Ventilatoren, Mixer oder Kühlschränke - in etwa das dreifache der europäischen Preise. Ein einfacher Kühlschrank oder eine Waschmaschine kosten somit schnell ein ganzes staatliches Jahresgehalt. Während die meisten Menschen Kühlschränke besitzen, waschen nicht wenige Familien aufgrund der exorbitanten Preise ihre Wäsche mit der Hand.

Die Kombination aus hohen Preisen und minimalen Löhnen ist auch der Grund warum alles, solange es irgendwie möglich ist, repariert wird - von der Unterwäsche bis zum Kühlschrank. Viele Menschen benutzen die staatliche Propaganda-Zeitung als Toilettenpapier. Nicht selten kommt es vor, dass gar einfachste Plastiktüten ausgewaschen und wiederverwendet werden. Wer Land und Menschen unterstützen möchte, kann auf einfache Weise helfen.

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