Bacardi vs. Havana Club: Alter Rum in neuen Flaschen?!

Aktualisiert: 1. Aug 2022

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Bacardi vs. Havana Club: Alter Rum in neuen Flaschen?!

Aktualisiert: 1. Aug 2022

In Kuba trinkt man Rum - und viel Bier (Cerveza). Aber bleiben wir beim Rum. Das bekannteste kubanische Zuckerrohrdestillat wird bekannterweise als Havana Club vermarktet. Weniger bekannt ist, dass Havana Club gewissermaßen Bacardi-Rum in neuen Flaschen ist. Beginnen wir am Anfang der Geschichte:

Bacardi eine Rum-Dynastie

Die Rum-Dynastie der Bacardís fand seinen Beginn am 4. Februar 1862 in Santiago de Cuba, durch den aus Spanien immigrierten Facundo Bacardí i Massó (1814–1887). Die im Bacardi Logo abgebildete Fledermaus gilt auf Kuba als ein Glückssymbol. Der in Kuba produzierte Rum, erlangte recht schnell internationale Aufmerksamkeit, so wurde die herausragende Qualität bereits 1876 auf der Weltausstellung in Philadelphia ausgezeichnet. Die damals verliehenen Medaille ziert noch heute jede Bacardi Flasche.

Bacardi, das erste multinationale kubanische Unternehmen

Als erstes kubanisches Unternehmen expandierte Bacardi in das Ausland. So wurde 1910 eine Abfüllanlage in Barcelona errichtet. 1916 folgte eine Anlage in New York. 1934 folgten Destillerien in Mexiko und Puerto Rico. Die Spuren der mächtigen Bacardi-Familie finden sich noch heute in Kuba. Sie ziehen sich von Havanna bis nach Santiago de Cuba. In Stadtzentrum Havannas zeugt etwa ein imposantes Art-déco-Gebäude, das Edificio Bacardi, von dem schier unermesslichen Reichtum der Familie. In Santiago de Cuba liegen neben einem weiteren imposanten Firmengebäude die Gebeine mehrerer früher Familien-Angehöriger.

Bacardí im Freiheitskampf

Ende des 19. Jahrhunderts kämpfte Emilio Bacardí, der Sohn des Firmengründers, im kubanischen Unabhängigkeitskrieg gegen die spanische Besatzungsmacht gegen die Spanier. Im Zuge dieses Engagements wurde er zweimal aus Kuba verbannt. Nach Erlangen der Unabhängigkeit wurde Emilio Bacardí zum ersten frei gewählten Bürgermeister der Stadt Santiago de Cuba, immerhin der zweitwichtigsten Stadt der Insel.

Etwa ein halbes Jahrhundert später unterstützte die Familie Bacardí zunächst auch den erneuten Freiheitskampf, die Kubanische Revolution, also den Kampf der Revolutionäre um Fidel Castro gegen den Diktator Fulgencio Batista. Nach dem Sieg der Guerilla im Januar 1959 wurde am Firmengebäude in Havanna noch ein Plakat mit den Worten Gracias Fidel angebracht.

Die Unterstützung für die neue kubanische Führung währte jedoch nur kurz, denn es folgte im Oktober 1960 eine entschädigungslose Enteignung und Verstaatlichung aller Besitztümer und Produktionsmittel. In Folge dieser Entwicklung emigrierten die Bacardís, die meisten gingen, wie viele privilegierte Kubaner, in die USA, überwiegend nach Miami.

Während der Firmensitz auf die Bahamas verlegt wurde, erfolgt der Großteil der Produktion seither in Puerto Rico.

Verbündete werden zu Feinden: Bacardi vs. Castro

Fortan engagierte sich die Bacardis gegen das neue kubanische Regime. Mitglieder der Geschäftsleitung planten unter anderem Angriffe auf kubanische Infrastruktur bis zu Mordanschlägen auf Raul und Fidel Castro sowie Che Guevara. Die Attentate sollten von Mitgliedern der italoamerikanischen Mafia in Kooperation mit der CIA durchgeführt werden.

Auf der politischen Ebene wurden die Bacardis zu einer treibenden Kraft in der Erarbeitung des umfassenden Handelsembargos gegen Kuba, welches daher auch als „Bacardi-Boykott“ betitelt wurde.

Dekaden anhaltender Rechtsstreit in den USA

Während der im Rest der Welt verkaufte Havana Club kubanischen Rum enthielten, war diese in den USA nicht immer der Fall. Im Jahr 1996 brachte eine von Bacardi betriebene Firma einen Rum unter dem Markennamen Havana Club mit einem abgeänderten Label in den USA auf den Markt. Ergänzend kam der durchaus groteske Slogan „Havana Club – Puerto Rican Rum“ hinzu, während das Original freilich „El Ron de Cuba” ist.

Es entwickelte sich ein langjähriger Rechtsstreit um die Handelsmarke - den Markennamen Havana Club. Die Rechte an Havana Club hatte sich Bacardi von der Gründerfamilie, den Arechabala beschafft. Denn es war der Kubaner José Arechabala, der 1934 in Havanna begann, sein berauschendes Destillat unter dem heute weltbekannten Namen zu vermarkten. Aber auch dieser Betrieb wurde nach der kommunistischen Machtübernahme verstaatlicht.

Bacardi oder Havana Club

Der Rechtsstreit zwischen den Bacardis und dem kubanischen Staat wurde 2006 zunächst zugunsten des Bacardi-Konzerns entschieden. Das amerikanische Patentamt hatte die Markenrechte seitens der kubanischen Regierung für abgelaufen erklärt. Dies war durchaus eine bedeutende Entscheidung, denn die USA sind mit knapp 20 Prozent der weltweiten Nachfrage der größte Markt für den traditionsreichen kubanischen Zuckerrohr-Schnaps.

Der kubanische Staat hatte sich die Marke mehrfach in den USA schützen lassen. Dafür griff Kuba auf eine Kooperation mit Pernod Ricard zurück. Die Franzosen sind noch heute für die internationalen Geschäfte von Havana Club verantwortlich.

Es brachte ein Jahrzehnt, bis dem kubanischen Staatsunternehmen die Lizenz zur Erneuerung der Markenrechte wieder erteilt wurde. Der Rechtsstreit hielt jedoch noch lange an. Eine weitere in den USA erhobene Klage seitens Bacardis wurde im April 2022 abgewiesen.

Aber auch diesseits des Atlantiks versuchte Bacardi zu intervenieren. So kam es etwa 1999 in Spanien zu einem Prozess über die Marke Havana Club. Nachdem Bacardi mehrere juristische Niederlagen verzeichnet hatte, zog das Unternehmen vor den obersten Gerichtshof des Landes, welcher die Beschwerde 2011 in letzter Instanz abwies.

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