Camagüey

Aktualisiert: 26. Mai 2021

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Zentralkuba

Camagüey: Stadt der Kirchen

Spricht man über kubanische Städte, dankt viele an Havanna und vielleicht noch Santiago de Cuba. Camagüey ist die drittgrößte des Landes, jedoch außerhalb Kubas nur wenig bekannt. Die Stadt wird von Reisenden oft unterschätzt und ist bestenfalls Transitort auf dem Weg zu den Traumstränden der etwas weiter nördlich gelegenen Cayos. Camagüey hat jedoch kulturell viel zu bieten und besitzt zudem ein ganz besonderes Flair, das nicht zuletzt auf das reizvolle historische Stadtzentrum zurückzuführen ist. Auch der Rhythmus des städtischen Lebens besitzt einen besonderen Charme. Manche sagen, die Stadt sei interessanter und schöner als Santiago. Camagüey ist nicht nur wegen des Flairs und der Schönheit einen Besuch wert, sondern eben auch, da es eine authentische kubanische Stadt ist, denn bisher ist der Tourismus weit weniger entwickelt als etwa im stark besuchten Trinidad.

Camagüey wurde 1514 gegründet und zählt damit zu den ältesten Städten Kubas. Die Gründung erfolgte durch Diego Velázquez, der nach der Entdeckung Kubas, die ersten sieben Städte - die sog. villas - angelegt hatte. Mit Rund einer Drittelmillion Einwohnern ist Camagüey heute die drittgrößte Stadt Kubas. Das saubere und gemütliche Zentrum zeichnet sich durch verwinkelte Gassen und schöne Plätze mit vielen Kolonialbauten aus. Viele Häuser verfügen über barocke Portale, koloniale Holzbalkone und gedrechselte Fenstergitter.

Der Ursprung der für kubanische Städte untypischen Stadtstruktur mit labyrinthartigen Straßen - die meisten Orte  Kubas sind schachbrettartig entworfen - geht vermutlich auf Plünderungen durch Piraten zurück. Aus Schutz vor neuen Überfällen wurden die Stadt bereits 1528 in das Landesinnere verlegt, was eben so untypisch ist, und auf die verwinkelte Weise neu aufgebaut, um mögliche Invasoren in die Irre zu führen. Es hinderte den englischen Piraten Henry Morgan allerdings nicht daran, die Stadt 1668 zu plündern. Und Morgen blieb nicht der einzige Pirat, der in der etwa 60 Kilometer vom Meer entfernten Stadt auf Raubzug ging.

Plaza San Juan de Dios Camagüey

Plaza San Juan de Dios

Der wichtigste Sohn der Stadt ist Ignacio Agramonte (1841-1873), einer der bedeutendsten kubanischen Freiheitskämpfer, der im ersten Unabhängigkeitskrieg als General der Rebellen ums Leben kam.

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Sehenswürdigkeiten

Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen in der geschützten historischen Altstadt, die seit 2008 als neunte kubanische UNESCO-Weltkulturerbe anerkannt ist. Bekannt ist Camagüey zudem für seine zahlreichen Kirchen und die Tradition großer Tonkrüge in denen in der Kolonialzeit Regenwasser aufgefangen und gekühlt wurde – litt die Stadt doch permanent unter Wasserknappheit.

Plaza Del Gallo Camagüey

Plaza Del Gallo

Diese Tinajones wie die mannshohen, bauchige Gefäße aus rotem Ton genannte werden, haben einen Durchmesser von bis zu drei Metern. Der älteste erhaltene Tonkrug stammt aus dem Jahre 1760. Wohlhabende Einwohner verzierten die Räume ihrer Anwesen mit dekorativen Tinajones, für die spezielle Möbelstücke angefertigt wurden. Sie enthielten nicht nur Wasser, sondern auch Wein.

Ignacio Agramonte Park Camagüey

Park Ignacio Agramonte

Auffallend sind auch verschiedene Bronze-Figuren, den Besuchern beim Schlendern durch die kopfsteingepflasterten Gassen der Innenstadt an verschiedenen Stellen begegnen. In zwei lebendige Fußgängerzonen wird häufig Kultur und Musik geboten. Die wichtigsten Sehenswürdigkeiten lassen sich auf einem ausgedehnten Spaziergang erkunden.

Plaza San Juan de Dios Camagüey

Plaza San Juan de Dios

Die folgende Übersicht liefert einen Überblick über die wichtigsten Sehenswürdigkeiten.

Fußgängerzone Camagüey

Fußgängerzone Camagüey

Camgüey Stadtzentrum

Camgüey Stadtzentrum


Plätze

  • Der Parque Ignacio Agramonte ist der wichtigste Treffpunkt der Stadt. In Zentrum der Anlage befindet sich ein Reiterdenkmal des Freiheitskämpfer Agramonte. Dominiert wird der Platzt von der Kathedrale von Camagüey, der Catedral de Nuestra Señora de la Candelaria. An dem begrünten Platz trifft man sich bevorzugt zu abendlicher Stunden und plaudert auf einer der Marmorbänke. Am Platzt gibt es eine Reihe an Lokalen. Das am Platzt liegende Cafe Ciuada leignet sich hervorragend um bei einem guten Kaffee eine Pause einzulegen.
  • Der Plaza de los Trabajadores ist eine der wichtigsten Plätze Camagüeys und Wahrzeichen der Stadt. Der große Kapokbaum inmitten des Platztes symbolisiert das Zentrum der Altstadt. Am Platzt befindet sich verschiedene Banken, das Geburtshaus Agramontes (Casa Natal de Ignacio Agramonte) und die Inglesia de La Merced, die als eine der schönsten Kirchen Kubas gilt.
  • Der Plaza San Juan de Dios zählt zu den schönsten Plätzen der Altstadt. Der historische Platzt wird von der gleichnamigen Kirche dominiert. Das 1728 errichtete Gotteshaus ist nur sporadisch geöffnet, jedoch lässt sich das angrenzende ehemalige Krankenhaus besichtigen, welches heute das Museo de San Juan de Dios beherbergt. Am Platzt gibt es ein nettes Restaurant und in der Umgebung eine Reihe kleiner Kunstgalerien.
  • Der gut einen halben Kilometer westlich des Stadtzentrums gelegene Plaza del Carmen ist ein weiterer sehenswerter Platz. Am westlichen Ende des Platzes befindet sich die geschichtsträchtige Iglesia de Nuestra Senora del Carmen steht. Bis vor wenigen Jahren waren die meisten Gebäude zerfallen, wurden jedoch liebevoll saniert. Am Platz gibt es einen kleinen Souvenirladen und mehrere Restaurants.


Museen

  • Das kleine Museo Municipal  thematisiert die Geschichte der Stadt. Der Ausstellungsort ist in einer alten Festungsanlage.
  • Das Museo Provincial Ignacio Agramonte dokumentiert nicht nur Stadtgeschichte, es hat selbst Geschichte geschrieben. 1848 als Kavallerie-Kaserne errichtet, wurde es 1905 von der Eisenbahngesellschaft zum ersten Hotel der Stadt verwandelt. Nach einer gründlichen siebenjährigen Restaurierung wurde dann 1955 das Provinzmuseum eröffnet. In mehreren Sälen wird sehr anschaulich die Orts- und Landesgeschichte vermittelt. Außerdem gibt es eine Sammlung kubanischer Kunst, die landesweit nur von den Kunstmuseen in Havanna übertroffen wird. Der Eintritt beträgt 2 USD.
  • Am Plaza de San Juan de Dios liegt das gleichnamige Museum. Das Gebäude ist zum einen Teil Kirchen und Kloster und zum anderen ein altes Krankenhaus, dessen Geschichte bis in die erste Hälfte  des 18. Jahrhunderts zurückreicht. In dem Museum wird über die Geschichte des Gebäudes und der Stadt informiert. Der Eintritt beträgt 2 USD pro Person.
  • Die Casa natal de Ignacio Agramonte ist das Geburtshaus des kubanischen Unabhängigkeitskämpfers. Ignacio Agramonte kämpfte in zahllosen Schlachten gegen die spanische Kolonialmacht und fiel am 11. April 1873 im Alter von 32 Jahren. Zu Ehren Argamontes wurden in dem reizenden Herrenhaus mit dem typischen hölzernen Balkonen des 18. Jahrhunderts ein Museum eingerichtet, das zu der wichtigsten Sehenswürdigkeiten Camagüeys zählt. Die Ausstellung zeigt das prachtvolles Mobiliar der Epoche und gibt Auskunft über das Leben und die Familie Agramontes. Zu Zeiten der Batista Diktatur trafen sich in dem Haus Revolutionäre.


Kirchen & Gotteshäuser

  • Am kleinen aber schönen Parque Marti befindet sich die Iglesia del Sagrado Corazón de Jesús. Die Kirche besitzt den höchsten Turm der Stadt und zählt zu den wenigen neugotischen Kirchen Kubas.
  • Die Catedral de Nuestra Señora de la Candelaria liegt am zentralen Parque Argamomte. Tagsüber lässt sich das innere der 1868 im neumaurischen Stil errichteten Kathedrale besichtigen. Vom Kirchturm hat man einen wunderbaren Rundumblick über ganz Camagüey und das Umland. Wer den Turm besteigen möchte, spendet einen USD.
  • Am gleichnamigen Platzt liegt die Iglesia de Nuestra Senora del Carmen. Die Kirche symmetrischen Türmen wurde 1825 gemeinsam mit einem angrenzenden Kloster errichtet.
  • Die am zentralen Plaza de los Trabajadores gelegene Inglesia de Nuestra Senora de la Merced stammt ursprünglich aus dem Jahr 1748.
  • Aus dem Jahr 1779 stammt die barocke Iglesia de Nuestra Señora de la Soledad, die vor kurzen saniert  wurde. Besucher können im Inneren schönen barocken Fresken besichtigen.


Kunst & Kultur

  • Das Teatro Principal ist das bedeutendste Theater Camagüeys und somit ein wichtiger Ort des öffentlichen Lebens. Das im 19. Jahrhundert errichtete Gebäude verfügt im Eingangsbereich über prunkvolle Kronleuchter, Buntglasfenster und eine stattliche Marmortreppe. Wenn das Ballet von Camagüey tanzt oder das Symphonieorchester spielt kommen Scharen an Besuchern. Wer an dem lohnenswerten Spektakel teilhaben will, bekommt die Eintrittskarten unkompliziert vor Vorstellungsbeginn am Einlass. Der Eintrittspreis beträgt 10 USD. Anfang Oktober partizipiert Camagüey an dem jährlichen nationalen Theater Festival, das in ganz Kuba stattfindet.
  • Am Plaza del Carmen lässt sich die sehenswerte Keramikwerkstatt und -galerie Martha Jiménez besichtigen. Jiménez ist die Künstlerin, die auch die lebensgroßen Figuren entworfen hat, die die Plaza del Carmen zieren. In der Galerie gibt es jede Menge interessanter Exponate. Bei gefallen können die Bilder, Skulpturen und Figuren auch erworben werden. Der Eintritt ist frei.
  • In der Casa de Arte Jover lassen sich die Werke des kubanischen Künstler-Ehepaars Joel Jover und Ileana Sánchez besichtigen. Die Galerie die neben Kunstwerken mit einer Menge Antiquitäten bestückt ist, befindet sich am zentralen Plaza Agramonte gelegenen, in dem Wohnhaus der Künstler. Der Eintritt ist frei.

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Essen & Trinken

Im historischen Stadtzentrum finden sich eine Reihe an netten Lokalen.

  • Im La Campana de Toledo gibt es recht gutes Essen und eine Terrasse im grünen Innenhof. Häufig wird Live-Musik gespielt. Es werden Menüs, mit einer Vorspeise (Salat & Obst), Hauptgericht und Dessert angeboten.
  • Im netten Cafe Ciudad bekommt man guten Kaffee, kleinere Frühstücksangebote und später auch ein paar normale Gerichte. Es lässt sich auch im ruhigen Innenhof oder vor dem Lokal am Parque Agramonte sitzen.
  • Ebenso direkt am Parque Agramonte befindet sich die kleine Pizzeria La Salsa. Das kleine Lokal hat 24 Stunden geöffnet und bietet Pizzen und weitere kleinere Gerichte. Die Gerichte sind sehr preiswert und die Qualität ordentlich. Der Andrang ist häufig sehr hoch, besonders spät abends, wenn es keine Alternativen mehr gibt.

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Nachtleben

Nightlife Camagüey

Zu später Stunde Flanieren in der schönen Fußgängerzone

Ein Großteil des Nachtlebens spielt sich im schönen historischen Stadtzentrum ab. Die Bewohner treffen sich am zentralen Parque Agramonte oder Flanieren durch die verschiedenen Fußgängerzonen.

  • Ein beliebter Treffpunkt von Einheimischen und Besuchern ist die Cafeteria Las Ruinas, die bis spät in die Nacht geöffnet hat.
  • In der Casa de la Trova Patricio Ballagas werden verschiedene Veranstaltungen abgehalten. Häufig gibt es Livemusik, zu der getanzt wird. Donnerstags und samstags kommt häufig jüngere Publikum.

 

 

 

 

 

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Ausflüge

Wer geführte Ausflüge unternehmen möchte, wird bei Ecotur oder Camaguax fündig. Das Büro des staatlichen Anbieters Ecotur befindet sich unmittelbar am Parque Argamonte. Angeboten werden Ausflüge zur Finca La Belén, Sierra del Chorrillo und Reserva Ecológica Limones-Tuabaquey.

Der private Touranbieter Camaguax hat ein Büro unweit des Parque Marti. Camaguax bietet eine Reihe an Stadtführungen, Ausflügen und Aktivitäten. Eine Übersicht über alle Angebote und Preise findet man auf der Internetseite des Anbieters.

  • Das Naturreservat Limones-Tuabaquey ist ein im Jahre 2009 geschaffener Nationalpark. Das Reservat liegt gut 30 Kilometer nordwestlich Camagüey. Auf eine Ausdehnung von nahezu 2000 Hektar verteilt sich eine reichhaltige Flora und Fauna. Weitere Attraktionen stellen Wandmalereien in den im Park gelegenen Höhlen dar. Auf dem Gebiet befindet sich auch die Aussichtsplattform Hoyo de Bonet, die sich in den Kronen des tropischen Waldes befindet.
  • Die Kleinstadt Guáimaro liegt etwa 75 Kilometer östlich von Camagüey, an der Grenze zur Provinz Las Tunas. Die Stadt spielte eine wichtige Rolle in der Geschichte Kubas. Hier versammelten sich 1869 die Revolutionsarmee der Mambí, um zum ersten Mal eine Verfassung eines von spanischer Herrschaft befreiten Kuba zu erarbeiten.
  • Der Cayo Cruz ist ein beliebtes Ausflugsziel zum Fischen, besonders zum  Fliegen-fischen.
  • Playa Santa Lucía
  • Sierra del Chorrillo

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Verkehr

Camagüey liegt entlang der wichtigen Ost-West-Verbindung. Alle Busse auch Züge die auf der Strecke Havanna - Santiago unterwegs sind passieren die Stadt. Der Busbahnhof befindet sich etwas südlich des Stadtzentrums. Da die Strecke zu Fuß etwas weit ist, empfiehlt sich zum Transfer aus dem Stadtzentrum am besten ein Taxi, das nicht mehr als 5 bis 10 US-Dollar kosten sollten. Backpacker können auch mit dem Stadtbus oder mit der Pferdekutschen fahren, beide fahren in der Calle Cuba unweit des Stadtparks Casino Campestre.

Am Bahnhof verkehren täglich fünf Viazul-Busse nach Havanna und Richtung Osten. In richtung Osten fahren zwei Busse nach Holguín und drei bis nach Santiago de Cuba. Mit etwas Glück lassen sich auch preiswerte Sammeltaxis in beide Richtungen bekommen.

Wer mit der Eisenbahn reisen möchte, muss hingegen zum Bahnhof, der etwas nördlich des Stadtzentrums liegt. Von hier fahren Züge nach Havanna und Santiago. Details zu Fahrten entnimmt man dem Artikel zur Eisenbahn. Der Bahnhof lässt sich aus dem Zentrum in wenigen Minuten mit dem Fahrradtaxi erreichen. Der Preis sollte nicht mehr als 1 US-Dollar pro Person betragen. Ein reguläres Taxi kostet nicht mehr als 5 US-Dollar.

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Unterkünfte

Bei Übernachtungen in Camagüey empfiehlt sich eine Unterkunft im Zentrum der historischen Altstadt. Die besten Lagen sind zwischen dem Parque Agramonte und dem Plaza de los Trabajadores, von dort lassen sich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in wenigen Gehminuten erreichen.

  • In bester Innenstadtlage, inmitten der ruhigen Fußgängerzone, liegt das Gran Hotel. Das von der spanischen Meliá-Gruppe betriebene Drei-Sterne-Hotel ist das beste Haus der Stadt. Zu den Annehmlichkeiten zählen ein kleiner Pool auf einer Sonnenterrasse und schlicht aber charmant eingerichtet Zimmer, die der kolonialen Architektur des Gebäudes entsprechen.
  • Das von der spanischen Melia-Gruppe betriebene Hotel Colón liegt am nördlichen Rand der historischen Altstadt, unweit des Bahnhofs. Das 3-Sterne-Hotel verfügt über eine stilvolle Lobby und  schöne Innenhöfe. Es bietet verschiedene Unterbringungsmöglichkeiten in 44 Zimmern, die auf zwei Ebenen verteilt liegen, sowie Frühstück, Mittag- und Abendessen im Buffet-Restaurant. Ferner verfügt es über zwei elegante Bars.
  • Das Hotel E Santa María befindet sich in sehr zentraler Lage, unmittelbar am schönen Plaza del Gallo. Alle wichtigen Sehenswürdigkeiten der historischen Altstadt liegen praktisch vor der Tür. Das Haus bietet schöne und saubere Zimmer in einem renovierten historischen Gebäude und gutes Essen. Insgesamt handelt es sich um ein tolles Hotel, das auch mit einem guten Service des freundlichen, gut ausgebildetes und motiviertes Personal überzeugt.

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